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(vom Englischen ins Deutsche übersetzt von Sylvia S. Sedlak, Österreich, www.geburtsallianz.at)

Wir möchten folgende Forderungen bekannt geben:

1. Medizinischer Standard
Die Einführung eines medizinischen Standards, der auf bester klinischer Praxis aus der ganzen Welt basiert und mit Vertretern von Elternorganisationen abgestimmt ist [25]. Dieser medizinische Standard soll messbare Qualitätskriterien für Geburtshilfe beinhalten. Das oberste Prinzip sollte sein, dass die Mutter und das Kind im Mittelpunkt der angebotenen Geburtshilfe sind. Das Hauptziel der Geburtshilfe ist, die Gesundheit von Mutter und Kind mit der geringsten notwendigen Intervention zu garantieren, so dass aber keine Kompromisse beim Sicherheitsaspekt gemacht werden müssen. Jährliche, unabhängige Qualitäts-Überprüfung der angebotenen medizinischen Dienstleistungen in der Geburtshilfe- und Neugeborenenabteilung sind gefordert, dessen Ergebnisse veröffentlicht werden. Ebenso soll es regelmäßige Umfragen zur Eltern-Zufriedenheit der angebotenen medizinischen Dienstleistungen geben, die auch Eltern aus Minderheitsgruppen einschließt.

Jede Geburtshilfestation sollte zumindest folgende Qualitätskriterien einhalten:

•    Rate der künstlich eingeleiteten Geburten nicht höher als 10 % aller Geburten [11], [30].
•    Verabreichung von wehenfördernden Medikamenten in nicht mehr als 10 % aller Geburten
•    Dammschnittrate nicht höher als 5 % aller Geburten [3],[11],[18].
•    Kaiserschnittrate nicht höher als 10-15 % aller Geburten [8],[11],[18],[30].
•    Rate der Vaginalgeburten nach vorangegangenem Kaiserschnitt (VBAC) mindestens 30 % aller Geburten nach vorangegangenem Kaiserschnitt [7],[9],[12],[13],[14],[15],[16],[17], [21],[23].

2. Schwangerschaftsvorsorge
Schwangerschaftsvorsorge-Schulungen sollen ein spezielles Training beinhalten, das es ermöglicht, schwangere Frauen körperlich und emotional auf den Geburtsprozess vorzubereiten. In dem Verständnis, dass Gebären ein normaler, natürlicher und gesunder Vorgang ist [5, p.22]. Frauen sollen zur natürlichen Geburt ermutigt werden, auch wenn sie zuvor einen Kaiserschnitt hatten, außer es liegen spezielle Umstände vor, die eine vaginale Geburt ausschließen.

3. Geburtsplan und informierte Einverständniserklärung
Eltern sollen ermutigt werden, im Vorhinein einen Geburtsplan zu erstellen, der ihre Entscheidungen zu gewissen Aspekten des Geburtsprozesses beinhaltet. Die informierte Einverständniserklärung soll werdenden Müttern vorab im Zuge aller Formulare überreicht werden, die sie für die Krankenhaus-Anmeldung braucht.
Sie kann es sorgfältig lesen, ohne dass sie dann unter Zeitdruck bei der Aufnahme in die Geburtenstation dazu gedrängt wird. Sollten Abweichungen vom normalen Schwangerschafts-, Geburts- oder Wochenbettverlauf auftreten, die eine medizinische Intervention (beinhaltet auch Tests und Überwachung) erforderlich machen, so ist das Paar im Detail darüber aufzuklären, damit sie voll informiert einen aktiven Teil der Entscheidungsfindung und auch der Verantwortung übernehmen können [1],[6],[20]. Alle Standardroutinen das Baby betreffend sollen der Mutter erklärt und nur mit ihrem Einverständnis durchgeführt werden (Impfungen, Antibiotika, Bluttests, etc) [1],[6].

4. Geburtsort
Schwangere Frauen sollen freie Wahl für den Geburtsort haben - im Spital mit GynäkologIn, im Geburtshaus mit Hebamme oder Hausgeburt mit qualifizierter Betreuerin. Die Möglichkeit, in einem Geburthaus oder zu Hause zu gebären, soll legalisiert werden. Es soll eine entsprechende Infrastruktur geschaffen werden für den Transfer der Geburten mit Komplikationen, um das Risiko zu minimieren. Entsprechende Schulung für medizinisches Personal und Betreuungspersonen ist erforderlich.

5. Bedingungen in der Geburtenabteilung
Die Atmosphäre in der geburtshilflichen Abteilung soll Frauen ein angenehmes und sicheres Gefühl vermitteln [2, pp.12-13]. Es soll möglich sein, dass der Vater und weitere Personen bei der Geburt und danach für emotionale und körperliche Unterstützung ohne Aufzahlung anwesend sein können. Es sollte nur ein Minimum an medizinischem Personal anwesend sein. Deren innere Grundhaltung soll freundlich, wohlgesinnt und respektvoll sein [2, pp.13]. Qualifizierte psychologische Unterstützung sollte innerhalb der Geburtshilfeabteilung verfügbar sein. MedizinstudentInnen oder PraktikantInnen sollen nur mit Zustimmung der gebärenden Frau anwesend sein. Nicht-pharmakologische Schmerzlinderungsmethoden sollen auf Wunsch der Frau angewendet werden [2, pp.13-14]. Die Frau soll ermutigt werden, die ihr angenehmsten Positionen während aller Phasen der Geburt, auch der Austreibungsphase, einzunehmen [2, pp.14]. Verschiedene Hilfsmittel und Gegenstände, um unterschiedliche Positionen zu wählen, sollen angeboten werden.

6. Wehenbeginn
Ein Wehenbeginn zwischen der 37. und 41. Schwangerschaftswoche mit einer Schwangerschaft ohne Komplikationen soll als Niedrig-Risiko-Geburt angesehen werden. Eine künstliche Einleitung sollte erst nach vollen 41 Wochen in Erwägung gezogen werden [5, p.238],[20, p.38],[32, p.31]. Wenn die Frau die künstliche Geburtseinleitung ablehnt, sollte ihr mindestens zweimal pro Woche eine Intensivüberwachung mit Cardiotocografie (CTG) und Ultraschallauswertung des Fruchtwassers angeboten werden [20, p.38]. Wenn die Fruchtblase spontan platzt, sollte nicht vor Ablauf von 48 Stunden Überwachungszeit künstlich eingeleitet werden [2, p.20], [5, p.205]. Vor der künstlichen Einleitung der Wehen sollte der Frau eine vaginale Untersuchung zwecks Eipollösung angeboten werden [5, p.235].

7. Minimale Interventionen
Wenn die Geburt einen normalen Verlauf nimmt, sollten die untenstehenden Routinemaßnahmen nicht angewendet werden. Ihre Effizienz und/oder Sicherheit ist durch wissenschaftliche Forschung nicht bestätigt. Es sollte nur mit einer medizinischen Begründung oder auf Wunsch der Frau erfolgen [2, p.8], [19, p.24], [25, p.6 (2.4.)]:

•    Reinlichkeitsprozeduren wie Schamhaarrasur und Einlauf [2, pp.8-9], [4, p.33S-34S], [5, ch. 29, p.258-259], [10, ch.5, par. “Initial assessment”], [30, p.D3];
•    Essen und Trinken nicht erlaubt [2, pp.9-10], [4, p.36S-38S], [5, ch. 29, p.259-262], [10, ch.5, par. “Nutrition and Hydration”], [19, p.18], [26, p.63-66], [30, p.D6];
•    Häufige vaginale Untersuchungen [2, p.21], [5, ch. 31, p.285], [19, p.27], [26, p.46-47], [30, p.D8],;
•    Schmerzmittel [2, pp.14-16], [4, p.65S-73S], [5, ch. 34, p.323-328], [10, ch.”Pain during labor”], [19, p.20-21], [26, p.36-38];
•    Fortwährende elektronische Überwachung des Fetus [2, pp.16-18], [4, pp.39S-42S], [5, ch. 30, pp.270-275], [10, ch.5, “Fetal heart rate surveillance”], [19, p.28], [26, pp.40-43];
•    Blasensprengung [2, p.22], [4, p.38S-39S], [10, appendix 2], [19, p.27], [26, p.50-53];
•    Künstliche Geburtseinleitung und Verstärkung der Kontraktionen, auch in der 3.Phase [2, pp.22-24, 29, 31-32], [4, p.42S-45S], [5, ch. 32, pp.292-294, ch. 33, 305-306], [10, ch.5, “Birth and Immediately Following”], [19, pp.27, 34 (1.8.6.)], [26, pp.74-76];
•    Dammschnitt [2, pp.27-28], [4, pp.45S-48S], [5, ch. 32, pp.295-297], [10, ch.5 “Episiotomy”], [19, pp.31 (1.7.13)], [30, D10];
•    Angeleitetes Pressen [2, pp.24-26], [5, ch. 32, pp.290-291], [19, p.31(1.7.8-9)], [26, pp.68-69], [30, p.D10];
•    Kristeller-Handgriff kurz vor dem Durchtritt des Kindes oder von Beginn der 2. Phase an [2, p.25].

8. Einfühlsamer Umgang mit Mutter und Baby
Vorausgesetzt der Zustand des Neugeborenen erfordert keine rasche medizinische Intervention oder die Mutter wünscht eine gewisse Behandlung, fordern wir folgendes als Standardprozeduren:

•    Abklemmen der Nabelschnur nach dem Auspulsieren [26, pp. 32-33];
•    Kein routinemäßiges Absaugen des Neugeborenen. Wenn Mekonium (erster Stuhlgang des Babys) im Fruchtwasser ist, keine routinemäßige endotracheale Intubation (Beatmung durch Mund oder Nase mittels Schlauch) oder Absaugung [5, pp.421-422], [27];
•    Die Käseschmiere (Vernix) des Neugeborenen soll nicht abgewaschen werden [26, D19];
•    Das Baby soll sofort nach der Geburt an die Mutter übergeben und sobald das Baby möchte, gestillt werden [5, p.441], [10, p.7.13], [24], [28], [29], [31, p.32];
•    Mütter sollen zum Stillen nach Bedarf des Babys angeleitet werden, nicht nach vorgegebenen Intervallen [5, p.445], [10, p.7.13], [24],[28],[29];
•    Mütter, die eine operative Entbindung hinter sich haben, sollen Unterstützung, auch physisch, erhalten, um möglichst bald mit dem Stillen zu beginnen [24],[28],[29];
•    Keine Ersatznahrung oder Wasser für Babys, außer wenn medizinische Gründe es notwendig machen [5, p.445], [10, p.7.22], [24],[28],[29];
•    Geburtshilfe- und Neugeborenenstationen sollen von UNICEF als „babyfreundliches Krankenhaus“ zertifiziert werden
•    Keine Trennung des Babys von der Mutter in der gesamten Wochenbettphase im Krankenhaus, auch nicht bei operativen Entbindungen [5, pp. 429-430],[10, p.5.24] [31, p.33];
•    Die Bedingung eines 3-tägigen Krankenhausaufenthalts nach der Geburt soll wegfallen; Frauen sollen die Wahl einer ambulante Geburt haben [5, pp. 434], [31,p.53].

Eltern sollen ermutigt werden, ihr behindertes Baby kennenzulernen und zu akzeptieren.
Eltern soll es erlaubt sein, ihr totgeborenes oder verstorbenes Baby mitzunehmen und es nach ihren Bräuchen zu beerdigen.

9. Modernisierung von Ausbildung und Schulung
Die laufende Ausbildung soll im Vergleich mit der weltweiten besten klinischen Praxis und neuesten wissenschaftlichen Erfolgen bewertet und überarbeitet werden. Es soll regelmäßige Schulungen und Qualifizierungskurse für medizinisches Personal geben (z. B. alle 2 Jahre). Kurse wie Kommunikationstrainings, psychologische Beratung und nicht-pharmakologische Methoden der Schmerzlinderung sollen angeboten werden. Internationale Austauschprogramme mit Spitälern, Universitäten und Geburtshäusern sollen in Betracht kommen.

 

 



Referenzen:

1.    National Health Insurance Fund, Patient's Rights and Obligations, National Framework Agreement 2006

2. World Health Organisation (WHO), 1996, Normal Birth Care: Practical Guide

3. Albers, L. L., Sedler, K. D., Bedrick, E. J., Teaf, D., & Peralta, P. (2005). Midwifery care measures in the second stage of labor and reduction of genital tract trauma at birth: A randomized trial. Journal of Midwifery & Women’s Health, 50(5), 365–372

4. Coalition for Improving Maternity Services (CIMS), 1996, The Mother-Friendly Childbirth Initiative

5. Enkin, M.W., Kierse, M.J.N.C., Neilson, J., Crowther, C., Duley, L., Hodnett, E. et al (2000). A Guide to Effective Care In Pregnancy and Childbirth,(3rd ed.). Oxford: Oxford University Press

6. The European Charter of Patients' Rights, Rome, 2002

7. Gonen, R., Nisenblat, V., Barak, S., Tamir, A., & Ohel, G.(2006). Re sults of a well-defined protocol for a trial of labor after prior cesarean delivery. Obstetrics & Gynecology, 107(2, Pt. 1), 240–245

8. Gould, J. B., Danielsen, B., Korst, L. M., Phibbs, R., Chance, K., Main, E., et al. (2004). Cesarean delivery rates and neonatal morbidity in a low-risk population. Obstetrics & Gynecology, 104 (1), 11–19

9. Guise, J. M., McDonagh, M., Hashima, J. N., Kraemer, D., Eden, K., Berlin, M., et al. (2003, March). Vaginal birth after cesarean (VBAC) Report/Technology Assessment No. 71. (AHRQ Publication No. 03-E018). Rockville, MD: Agency for Healthcare Research and Quality

10. Health Canada, 2000, Family-Centred Mate rnity and Newborn Care: National Guidelines

11. Johnson, K. C., & Daviss, B. A. (2005). Outcomes of planned home births with certified professional midwives: Large prospective study in North America.BMJ, 330(7505), 1416

12. Landon, M. B., Hauth, J. C., Leveno, K. J., Spong, C. Y., Leind ecker, S., Varner, M. W., et al. (2004). Maternal and perinatal outcomes associated with a trial of labor after prior cesarean delivery. The New England Journal of Medicine, 351(25), 2581–2589

13. Landon, M. (2004). The MFMU cesarean section registry: Factors affecting the success of trial of labor following prior cesarean delivery. American Journal of Obstetrics and Gynecology, 191(6, Supp. 1), S17. Abstract.

14. Lieberman, E., Ernst, E. K., Rooks, J. P., Stapleton, S., & Flamm, B. (2004). Results of the national study of vaginal birth after cesarean in birth centers. Obstetrics & Gynecology, 104(5, Pt. 1), 933–942

15. Locatelli, A., Regalia, A. L., Ghidini, A., Ciriello, E., Biffi, A., & Pezzullo, J. C. (2004). Risks of induction of labour in women with a uterine scar from previous low transverse caesarean section. BJOG, 111(12), 1394–1399

16. Loebel, G., Zelop, C. M., Egan, J. F., & Wax. J. (2004). Maternal and neonatal morbidity after elective repeat Cesarean delivery versus a trial of labor after previous Cesarean delivery in a community teaching hospital. Journal of Maternal-Fetal and Neonatal Medicine, 15(4), 243–246, Abstract.

17. Macones, G. A., Peipert, J., Nelson, D. B., Odibo, A., Stevens, E., Stamilio, D., et al. (2005). Maternal complications with vaginal birth after cesarean delivery: A multicenter study. American Journal of Obstetrics and Gynecology, 193(5), 1656–1662. Abstract.

18. Maternity Center Association. (2004). Harms of cesarean versus vaginal birth: A systematic review. In Childbirth Connection, What every pregnant woman needs to know about cesarean section (booklet; 2nd edition 2006, revised; pp. 20–27). New York: Author. Also, retrieved December 17, 2006

19. National Collaborating Centre for Women’s and Children’s Health (NCCWCH), 2007, NICE clinical guideline 55: Intrapartum care: care of healthy women and their babies during childbirth, RCOG Press, London

20. National Collaborating Centre for Women’s and Children’s Health (NCCWCH), 2008, NICE clinical guideline 62: Antenatal care: routine care for the healthy pregnant woman

21. Rosen, M. G., & Dickinson, J. C. (1990). Vaginal birth after cesarean: A meta-analysis of indicators for success. Obstetrics & Gynecology, 76(5, Pt. 1), 865–869.

22.Royal College of Midwives, 2005, Evidence-based guid elines for midwifery-led care in labour

23. Smith, G. C., Pell, J. P., Cameron, A. D., & Dobbie, R. (2002). Risk of perinatal death associated with labor after previous cesarean delivery in uncomplicated term pregnancies. The Journal of the American Medical Association, 287(20), 2684–2690

24. Ten steps to successful breastfeeding

25. UK Department of Health, 2004, National Service Framework for Children Young People and Maternity Services Standard 11: Maternity Services

26. World Health Organization. Pregnancy, Childbirth, Postpartum and Newborn Care. 2003

27. World Health Organisation. Basic newborn resuscitation: a practical guide, 1997

28. WHO/Unicef. Protecting, promoting and supporting breastfeeding: the special role of maternity services. A Joint WHO/Unicef Statement. Geneva: WHO, 1989

29. World Health Organization. (1998) Evidence for the Ten Steps to Successful Breastfeeding. Division of Child Health and Development, Geneva

30. World Health Organization. (1985). Appropriate technology for birth. Lancet, 2(8452), 436–437. Summary.

31. World Health Organization. (1998). Postpartum care of the mother and newborn: a practical guide.

32. World Health Organization. (2002). WHO Antenatal Care Randomized Trial: Manual for the Implementation of the New Model.